Unser Newsletter vom 06.01.2012
Im letzten Newsletter hatte ich auf die wirtschaftlichen Probleme der Drogeriekette Schlecker hingewiesen. Nun ist es passiert. Schlecker ist zahlungsunfähig und will eine Restrukturierung umsetzen, die viel zu spät kommt.
Schleckers Vergangenheit
Vom jüngsten Metzgermeister zum weltgrößten Drogeriemarktimperium. Er hatte es als erster geschafft, die neuen Marktbedingungen für sich zu nutzen: 1974 fiel die Preisbindung für Drogerieartikel. Dieses sogenannte zwingende Ereignis war sein Vorteil und auch die hereinbrechende Phase von „Geiz ist geil“. Er achtete persönlich und als Unternehmer auf „fast“ jeden Cent. Er kam jedoch in die Schlagzeilen, weil er seinen Mitarbeitern einen Telefonanschluss verweigerte, unter Tarif bezahlte und ausspionieren ließ. Ich erlaube mir an dieser Stelle anzumerken, dass auch andere Unternehmer in dieser Zeit mit ihren Mitarbeitern nicht fair umgegangen sind. Aber das Unternehmen Schlecker konnte sein negatives Image nicht abschütteln.
Handelsexperten
Mich als Serviceberater verwundert, welche Tipps die vermeintlichen Experten nun geben: Umsatz steigern pro Quadratmeter Verkaufsfläche über XXL-Märkte. Das ist nicht wirklich innovativ und schon gar nicht kreativ.
Erklärungen
Das Management der Drogeriekette Schlecker hat entweder verdrängt, dass jedes Unternehmen einem Unternehmenslebenszyklus unterliegt. Dieses besagt, dass in einer solchen Ergebniskrise eine strategische Neuausrichtung anzustoßen ist. Oder aber Herr Schlecker Senior hat ganz bewusst Jahre lang Geld aus dem Unternehmen gezogen. Und offensichtlich investierte er lieber in eine nicht gewinnbringende Expansion. Denn seit Jahren war an vielen Orten sichtbar, dass er sich um seine Bestandsläden nicht kümmert.
Die Servicefalle
Fahles Neon-Licht, alte Regale, schlechte Eigenmarken, Rabatte auf überteuerte Produkte und unmotivierte Mitarbeiter bringen Unternehmen in einer Dienstleistungsgesellschaft mit anspruchsvolleren Kunden in wirtschaftliche Schieflage.
Wie im letzten ServiceGut-Newsletter Nr. 1 angeführt, haben die Drogerieketten Rossmann und gerade dm verstanden, den geänderten Kundenerwartungen zu entsprechen!
Zukunft
Ich wünsche dem Unternehmen Schlecker mit seinem Konzept „think global act local“ viel Erfolg, denn es ist viel zu kurz gesprungen, wenn vermeintliche Retail Experten verlauten lassen, kleine Läden in kleinen Kommunen haben keine Überlebenschance. Ich kenne viele kleine Läden in kleinen Orten die nicht funktionieren, weil diese sich in einer 1c Lage befinden, und nicht weil der Ort mit 3000 Einwohnern keine potentiellen guten Einkäufer hat.
Anmerkung
Drogerist „Ihr Platz“ gehört zu Schlecker und vermittelt einen ebenfalls schlechten Eindruck. Wie schon erwähnt, funktioniert ein Dienstleistungsunternehmen nicht mit unprofessioneller Führung, unmotivierten Mitarbeitern, %-Werbung/ Schein-Rabatten und schlechten Produkten. Selbst der eingefleischteste Billigheimer und „Palettenmarkt“ Aldi hat sein Unternehmenskonzept hin zu mehr Service und Einkaufsatmosphäre weiterentwickelt.


